Vincent Chablais


2008

240 x 280 cm

Öl/Wachsfarbe auf Papier

Vincent Chablais’ Arbeiten zeichnen sich durch einen sensiblen Umgang mit der Wahrnehmung architektonischer Spuren im Alltag aus. Fenster, Gitter oder Häuserfassaden weisen auf eines der zentralen Themen in seinem Schaffen. Der Künstler beschäftigt sich in seinen grossformatigen Papierarbeiten immer wieder mit der Grenze zwischen Innen und Aussen, zwischen Vorne und Hinten sowie mit deren Auflösung. Ein Fenster wirft die Frage auf, ob sich der Betrachter im Gebäude oder ausserhalb befindet. Die Transparenz der Scheibe erlaubt zwar rein theoretisch einen Blick in die Tiefe des dargestellten Raumes, doch ist das Fenster zugleich in der leicht abstrahierten Darstellung von Chablais ein Viereck in der Fläche. Das architektonische Element kann zugleich als zweidimensionale Xpress money online geometrische Form gelesen werden. Das « schwarze » Loch in einer gebrochenen Scheibe hinterlässt hingegen einen plastischen Eindruck. Das « Nichts » als Positiva gelesen wird zu einem skulpturalen Gebilde. Chablais modifiziert die Darstellung eines Gitterzauns so, dass sich vorne und hinten in der Fläche auflösen. Die Stäbe lösen sich teilweise in der Bildfläche auf, und verwischen die Grenze zwischen innen und aussen. Raum wird zur Fläche und umgekehrt. Das Gitter mit seiner inhärenten Qualität der Transparenz wird somit ad absurdum geführt. Der Farbauftrag in hellen Pastelltönen gibt zwar eine gewisse Transparenz vor, doch bearbeitet der Künstler in malerischer Manier die ganze Fläche des Papiers. Die Grossformatigkeit der Papierarbeiten lädt den Betrachter ein, in den Bildraum einzutauchen. Doch wird er gleichzeitig von der kühlen Oberfläche auf Distanz gehalten. Vincent Chablais’ künstlerische Auseinandersetzung mit der Grenze von Innen und Aussen sowie mit deren Auflösung in der Fläche spiegelt sich bei der Rezeption seiner Werke wieder.

Vincent Chablais is notable for his sensitive approach to the perception of traces of architecture in his everyday environment. Windows, grids and the façades of buildings are among his key subjects. His works on large sheets of paper visit and revisit the boundaries between interior and exterior, foreground and background – and with their blurring. A window gives rise to the question of whether the viewer stands inside or outside the building. While the transparent glass pane theoretically opens a deep view of the represented space, the window – rendered in a slightly abstract form – also is a mere rectangle in a plane. The architectural element is just as easily interpreted as a two-dimensional geometric form. The « black » hole in a broken windowpane, on the other hand, gives a three-dimensional impression. « Nothing », positively interpreted, becomes a sculptural creation. Chablais modifies his rendering of a wire-mesh fence in such a way that it becomes impossible to tell what is infront, what is beyond the fence. The posts partially merge with the pictorial surface, blurring the boundary between inside and outside. In a reductio ad absurdum of the grid‘s inherent transparency, space becomes surface, surface turns into space. While the artist‘s light pastel tones hint at a certain transparency, he is quite painterly in treating the entire surface of his sheet. And while the large scale entices viewers to delve into the pictorial space, its chilly surface keeps them at arm‘s length. This is how Vincent Chablais’ artistic concern with the boundary between interior and exterior, and their dissolution in the plane, is reflected in the reception of his works.

Fabienne Eggelhöfer